Wie entsteht eine Fistel?

Eine geburtstraumatische Fistel ist eine verletzungsbedingte Verbindung zwischen Blase und Scheide und/oder Blase und Darm. Diese Verbindung führt zu einem kontinuierlichen Verlust von Urin oder Stuhl.

Diese Verletzung resultiert aus einer “verschleppten” Geburt und einem langanhaltendem Geburtsstillstand, z.B. weil das Köpfchen des Babys nicht durch das Becken kommt oder bei einer Fehllage des Babys. Dabei verursacht das Baby einen langanhaltenden Druck des Kopfes gegen das Schambein und den Enddarm. Dazwischen liegt die Blase, die ebenfalls gegen das Schambein gedrückt wird und im Laufe der Zeit ihrer Blutzufuhr beraubt wird. Dies führt zum Absterben des Gewebes und folgend der Bildung eines dauerhaften Lochs, aus dem der Urin für die Frau unkontrollierbar in die Scheide abfließt. Drückt der Kopf auch auf den Enddarm, kann eine rekto-vaginale Fistel entstehen , welche zu unkontrollierbaren  Abgang von Stuhl führt.

In 95% der Fälle von langanhaltendem Geburtsstillstand stirbt das Baby in der Gebärmutter. Die Mutter verbleibt zumeist mit einer geburtstraumatischen Fistel.

Wer bekommt eine Fistel?

Fisteln lassen sich durch eine gute Geburtshilfe vermeiden, indem z.B. rechtzeitig ein Kaiserschnitt durchgeführt wird. Werdende Mütter, vor allem im ländlichen Raum in den meisten Ländern Afrikas, sind meist nicht in der Lage selbst zu entscheiden, wann es Zeit wird medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Erschwerend ist zudem die Entfernung zur nächsten medizinischen Einrichtung. Dort angekommen ist dann Qualität der Geburtshilfe niedrig – so kann z.B. nicht überall eine Kaiserschnitt durchgeführt werden.

Insbesondere junge Mütter (Teenagerschwangerschaften) gehören zur Risikogruppe, weil das knöcherne Becken noch nicht voll ausgebildet ist. Auch Mütter in abgeschiedenen ländlichen Gegenden sind gefährdet, weil die nächste geburtshilfliche Notfallversorgung weit entfernt ist. Und Bildungsarmut ist ein weiterer Faktor, welcher mit mangelndem Wissen über die Risiken einer unzureichenden Geburtshilfe einhergeht.

Wo finden sich heute noch geburtstraumatische Fisteln?

Geburtstraumatische Verletzungen traten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auch noch in Europa auf; mit der Verbesserung der Geburtshilfe und dem verbesserten Zugang zur medizinischen Versorgung finden sich heute in den entwickelten Ländern keine Fisteln mehr.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben derzeit 2 Millionen Frauen mit geburtstraumatischen Fisteln in Afrika und Asien. Jedes Jahr kommen 50,000 bis 100,000 neue Fälle hinzu. In Gegenden mit hoher Müttersterblichkeit, wie z.b. Uganda wo pro 100,000 Geburten 430 Mütter sterben, wir davon ausgegangen dass pro 1000 Geburten zwei Frauen eine Fistel entwickeln.

Wie können Fisteln behandelt werden?

Fisteln können mit einer Operation verschlossen werden – und den betroffenen Frauen kann somit ein normales Leben ohne soziale Stigmatisierung ermöglicht werden. Die Operation benötigt spezielle chirurgische Kompetenzen und die nicht überall zur Verfügung stehen.

Was hat sich die Weltgemeinschaft mit der globalen Kampagne zur Beendigung von Fistula zum Ziel gesetzt?

Seit 2003 haben sich viele Organisationen in der von der UN Population Fund  (UNFPA) geführten Initiative “Campaign to End Fistula” zusammengeschlossen. Dies Kampagne hat sich die Reduktion der Zahl der Frauen welche mit einer Fistel leben müssen zum Ziel gesetzt – durch einen besseren Zugang zur Behandlung und der Vorsorge durch eine Verbesserung der Müttergesundheit. Mehr Informationen zu der Kampagne:

UN Population Fund (UNFPA) – Fistula Campaign

Campaign to End Fistula